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Artikel: Kalk- oder Lehmputz? | Unterschiede, Vorteile & Tipps

Ratgeber

Kalk- oder Lehmputz? | Unterschiede, Vorteile & Tipps

Du fragst dich, ob Kalkputz oder Lehmputz besser für dein Projekt geeignet ist? Beide Materialien sind mineralische Putze, die seit Jahrhunderten im Bauwesen genutzt werden. Und beide haben ihre ganz eigenen Stärken.

In diesem Artikel zeigen wir dir den Vergleich von Lehmputz und Kalkputz. Du erfährst, wie sich die beiden Materialien in ihrer Wirkung, Verarbeitung, Nachhaltigkeit und in den Kosten unterscheiden – und triffst am Ende eine fundierte Entscheidung, welcher Putz für dein Zuhause passt.


Wirkung auf das Wohnen

Lehmputz 

Lehmputz ist ein Material, das wie kaum ein anderer Baustoff fast überall auf der Erde verfügbar ist.
Viele Menschen beschreiben das Raumgefühl in Lehmbauten als besonders entspannend  und ausgeglichen – ein Effekt, den man selbst erleben muss.

Kalkputz

Kalkputz  wird vor allem für feuchte Bereiche wie Bad, Küche oder Keller verwendet. Ein Raum mit Kalkputz vermittelt oft ein sauberes, klares Raumgefühl. Wer also Wert auf angenehmes Wohnen legt, findet in Kalkputz die passende Lösung. Weitere Informationen findest du in unserer Auswahl an Kalkputzen.



Teilansicht von einem Bett mit Nachttisch und grau-beiger Kalkfarbe auf derWand dahinter


Lehmfarbe und Kalkfarbe im Vergleich

Nicht nur als Putz, auch als Farbe bieten Kalk und Lehm spannende Eigenschaften. 

Lehmfarbe ist besonders einfach zu verarbeiten. Sie wird mit Pinsel oder Rolle aufgetragen, bleibt lange offen und ist damit auch für weniger geübte Heimwerker gut geeignet. Durch ihr mattes, warmes Erscheinungsbild schafft sie eine behagliche Atmosphäre in Wohnräumen.

Kalkfarbe ist dagegen mineralisch und hat die gleichen Eigenschaften wie Kalkputz. Wichtig ist eine sorgfältige Verarbeitung: Wenn Kalkfarbe zu schnell trocknet, kann die Oberfläche abkreiden, bei zu langer Feuchte entstehen Glanzstellen.

Verarbeitung von Lehmputz und Kalkputz

Lehmputz verarbeiten

Lehmputz ist bei der Verarbeitung sehr tolerant. Er bleibt lange formbar und trocknet nicht sofort im Eimer an. Das gibt Heimwerkern ausreichend Zeit, die Oberfläche in Ruhe zu gestalten. Im Gegensatz zu Gips oder Zement musst du also nicht „unter Zeitdruck“ arbeiten.

Wichtig ist ein passender Untergrund. Lehm haftet am besten auf griffigen Flächen. Mit der richtigen Grundierung lässt er sich aber auf fast allen Wänden einsetzen. Besonders einfach ist der Auftrag von Lehmfarbe, die du nass in nass mit Rolle oder Pinsel aufbringst.

Kalkputz verarbeiten

Kalkputz lässt sich ebenfalls mit Pinsel oder Rolle auftragen, erfordert aber etwas mehr Erfahrung. Zum einen darf der Auftrag nicht zu schnell austrocknen, sonst wird die Oberfläche nicht fest genug und kreidet ab. Zum anderen darf er nicht zu lange feucht bleiben, da sonst Glanzstellen entstehen.

Kalk benötigt außerdem mineralische Untergründe wie Kalk, Lehm, Beton oder Gips. Mit der passenden Grundierung ist das auch auf Trockenbauplatten in den meisten Fällen kein Problem. Da Kalk stark alkalisch ist, solltest du beim Arbeiten Handschuhe und Schutzbrille tragen.


Handwerker der einen Petrol-farbenen Kalkputz auf einer Wand bearbeitet.


Für welche Räume eignen sich Kalk- oder Lehmputz?

Grundsätzlich lassen sich beide Putze in fast allen Innenräumen einsetzen – vom Schlafzimmer über das Kinderzimmer bis hin zum Flur oder Treppenhaus.

  • Lehmputz entfaltet seine Vorteile vor allem in Wohn- und Schlafräumen, wo ein angenehmes Raumklima wichtig ist.
  • Kalkputz ist die bessere Wahl in Feuchträumen wie Bad, Küche oder Keller.

Nachteile von Lehmputz und Kalkputz

Jeder Baustoff hat nicht nur Vorteile, sondern auch Einschränkungen. Wenn du diese bei Lehm und Kalk kennst, fällt dir die Wahl deutlich einfacher.

Nachteile Lehmputz

  • Lehm ist nicht wasserfest und daher für Bereiche mit direktem Spritzwasser ungeeignet.
  • Er wird nicht so fest wie Kalk oder Zement.
  • Lehm als Oberputz ist nur naturweiß, bietet aber viele warme Farbtöne, wenn er mit Pigmenten abgetönt wird
  • Frisch angerührter Lehm ist nicht lange haltbar, da er ohne Konservierungsstoffe auskommt.

Nachteile Kalkputz

  • Kalk ist alkalisch (pH-Wert 12 - 13) und erfordert daher Schutzmaßnahmen bei der Verarbeitung.
  • Farbige Oberflächen können changieren und wirken ungleichmäßig.
  • Bei unsachgemäßer Verarbeitung kreidet Kalkputz ab.
  • Auf Gipsbauplatten ist Kalkfarbe nur eingeschränkt oder mit Malervlies empfehlenswert.
  • Die Deckkraft der Kalkfarbe zeigt sich erst nach dem Trocknen.

 Vorteile im Lehmputz-Kalkputz-Vergleich

Beide Materialien haben ihre ganz spezifischen Vorzüge, die du kennen solltest, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Vorteile Lehmputz

  • Sorgt für angenehmes Wohnen
  • Einfache Verarbeitung, besonders für Selbermacher
  • Warme, angenehme Farbwirkung

Vorteile Kalkputz

  • Hygienisch durch hohen pH-Wert
  • Feines Farbspiel mit Tiefe


Zimmerausschnitt mit gelber Lehmwandfarbe, an der ein Steckenpferd lehnt, Turnbeutel und kleinem Aufbewahrungsschrank


Unterschiede beim Abbinden von Kalkputz und Lehmputz

Hier unterscheiden sich Kalk und Lehm grundlegend:

Lehm besteht aus Tonmineralen, Schluff und Sand. Die winzigen Kristallblättchen der Tonminerale sind elektrostatisch aufgeladen und ziehen sich beim Trocknen zusammen. Dadurch erhalten Lehmputz und Lehmfarbe ihre Festigkeit. Da er nicht wasserfest ist, bleibt Lehm reversibel – er kann durch Wasser wieder lösbar gemacht werden.

Kalkputz und Kalkfarbe bestehen aus Sand und gebranntem, gelöschtem Kalk. Er härtet durch den Prozess der Carbonatisierung aus: Beim Trocknen nimmt er das Kohlendioxid aus der Luft auf, das ihm beim Brennen entzogen wurde. So „versteinert“ der Kalk regelrecht und wird dauerhaft fest. Je langsamer er trocknet, desto besser läuft die Carbonatisierung ab. Das Ergebnis: Kalkputz ist wasserunlöslich, robuster und  härter als Lehm.

Kostenvergleich Lehmputz und Kalkputz

Preislich liegen Kalk- und Lehmputz bei den Materialkosten oft ähnlich. Unterschiede ergeben sich eher durch die Verarbeitung:

  • Lehmputz ist durch seine lange Offenzeit für Selbermacher meist günstiger, weil er ohne Zeitdruck verarbeitet werden kann.
  • Kalkputz erfordert mehr Erfahrung und Schutzmaßnahmen, bietet dafür aber Langlebigkeit in feuchten Umgebungen – ein klarer Vorteil auf lange Sicht.

Ökologische Aspekte von Kalk und Lehm

Lehmputz

Lehmputz ist einer der ältesten Baustoffe überhaupt. Er wird lediglich aus der Erde entnommen, getrocknet und mit Sand vermischt. Der Energieaufwand ist minimal. Da er frei von chemischen Zusätzen ist, kann er wiederverwendet werden, weil Lehm mit Wasser wieder angelöst werden kann.

Kalkputz

Kalk erfordert beim Brennen zwar mehr Energie (etwa 900 °C), liegt damit aber deutlich unter dem Bedarf von Zement (bis zu 1.700 °C). Nach dem Brennen und Löschen wird aus dem Kalkstein wieder nutzbarer Baustoff. Beim Abbinden nimmt Kalk das CO₂ wieder auf – dies wird bezeichnet als Kalkkreislauf. Auch Kalkputz kommt ohne Kunstharze oder Acryl aus.

Lehmstreichputz in Blau auf einer Wand und aufgeschlagene Zeitschrift mit abgelegter Brille auf einem Tisch


Fazit: Kalkputz oder Lehmputz?

  • Lehm überzeugt durch einfache Verarbeitung und warme Farben.
  • Kalk bietet mehr Robustheit und große Gestaltungsmöglichkeiten.

Wenn es keine besonderen Anforderungen gibt, entscheide dich nach deinen persönlichen Vorlieben. Für Beratung und eine Produktauswahl findest du in unserem Shop Kalkfarben, Kalkputze, Lehmfarben und Lehmputze.